Eine bis heute rätselhafte Kriminaltragödie
Eine aufsehenerregende Bluttat, die der kleinen Brücke über den Gronauer Bach zwischen dem Schwall und dem Diet- hardter Ortsteil Münchenroth im Volksmund den Namen „Mordbrückelche“ gab.
Halb im Wasser liegend, fand man am Morgen des 25. Januar 1891 die Leiche der 25 jährigen Elisabethe Philippine Krämer geb. Hofmann aus Nastätten. Eine Untersuchung ergab als Todesursache „Ersticken im Wasser“.
Die junge Frau stammte aus Zorn und hatte erst am 26. Oktober 1890 den Nastätter Drechsler Adolf Krämer geheiratet. Man munkelte, die kurze Ehe sei nicht gerade glücklich gewesen. Der gewaltsame Tod sprach sich mit Windeseile im „Ländchen“ herum, und so kann es nicht verwundern, daß zur Beerdigung am 29. Januar 1891 sehr viele Menschen auf den Nastätter Friedhof kamen, wie Konrad Hehner II in seinem unveröffentlichten Manuskript „Rund um den Bienenkorb“ berichtet.
Die fast 89 Jahre alte Frau Dina Singhof erinnert sich an Erzählungen, der hiesige Handelsmann Salomon Stern habe die Tote am „Münchenrother Steg“ gefunden. Es war wälhrend der Nacht frischer Schnee gefallen und dieser zeigte deutliche Spuren von Männerschuhen, die von der Fundstelle der Leiche auf Umwegen zurück nach Nastätten führten. Als Besitzer dieser Schuhe ermittelte man den Ehemann der Toten. Er soll beim Kartenspiel festgenommen worden sein und wurde ins Nastätter Amtsgerichtsgefingnis eingeliefert.
Der Verdacht gegen den Ehemann erhärtete sich noch, als man eine Postkarte fand, in der die Eltern der Frau diese zu einem bestimmten Termin nach Zorn zu kommen baten. Der Fußweg nach Zorn führt am Schwall vorbei. Konrad Hehner bezeichner den Ehemann als den Schreiber; Dina Singhof meint, die Mutter des mutmaßlichen Mörders sei die Verfasserin gewesen. Jedenfalls folgte das arglose Opfer der vermeintlichen Bitte der Eltern und gab so dem Mörder Gelegenheit, seine Tat fern von Augen- und Ohrenzeugen auszuführen.
Nastättens Chronist Wilhelm Werner weilß zu erzählen, daß Adolf Krämer 1867 geboren und somit ein Klassenkamerad seines Vaters war. Dieser habe immer gesagt, die Frau sei schwanger gewesen, und an ihrem Beerdigungstag habe sich der Ehemann „im Bolles„ mit seinen Hosenträgern am Fensterkreuz erhängt, ohne vorher ein Geständnis abzulegen. Das „Civilstandsregister“ der ev. Pfarrei Nastätten bestätigt, daß Adolf Martin Krämer als Sohn des Drechslers Philipp Adam Krämer am 22. April 1867 in Nastätten geboren wurde. Aus dem Trauregister 4/1890 geht allerdings hervor, daß der Selbstmord sich am 1. Februar 1891 ereignete. Der damals amtierende Pfarrer Klein vermerkt in einer Randnotiz den Mordfall nebst Todesursache und fügt hinzu: „Der auf ihren Ehemann sich übertragende Verdacht, seine Frau getötet zu haben, brachte diesen ins Gefängnis, in welchem er sich am 1. Februar 1891 erhenkte. Eine Bestattung ist in den Nastätter Kirchenbüchern nicht registriert. Dies spricht für Konrad Hehners Version, man habe die Leiche des Selbstmörders an den Füßen die Treppe heruntergezogen in den Hof des Amtsgerichts und sie an der Friedhofsmauer ohne Geistlichen verscharrt. Überliefert ist die „Grabrede“ eines Mitwirkenden:
„Da liegt er in der Gruft der Schuft. Mer decke'n zu met Lahm unn gehn dann haam.“
Der Chronist berichtet von einem gußeisernen Kreuz auf dem Grab der Ermordeten, dessen Inschrift auf den bis heute ungeklärten Mordfall hinwies: „Ob dein Gatte dich ernmordet, glaubt man, doch man weiß es nicht. Weil durch Selbstmord er entzogen sich dem irdischen Gericht.“